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Die psychische Versorgungslandschaft in Deutschland oder: komplex & vielfältig

Die Versorgungslandschaft bei psychischen Problemen ist in Deutschland sehr unübersichtlich.
Die Versorgungslandschaft bei psychischen Problemen ist in Deutschland sehr unübersichtlich.

Die WHO stellte schon vor einigen Jahren in einer Studie fest, dass fast jeder zweite Mensch irgendwann im Leben psychische Störung entwickelt und Hilfe braucht.


Wenn wir aber versuchen Hilfe hierzulande zu bekommen, so stellen wir schnell fest, dass das Ganze sehr unübersichtlich wirkt und viele verschiedene Anlaufstellen in Frage kommen.


Aber wie genau funktioniert das eigentlich und welche Möglichkeiten habe ich, um Hilfe zu bekommen? Ich nehme euch mit und versuche euch einen kleinen Überblick zu geben und wo genau ich hier eigentlich in meiner Arbeit andocke.


Für mehr Klarheit zunächst ein kleiner historischer Ausflug.

Das deutsche Hilfesystem: Unübersichtlichkeit ist historisch gewachsen


Hilfestrukturen in Deutschland sind vielfältig und wirken sehr unübersichtlich. Das ist aber keine Absicht, sondern eine Folge der historischen Entwicklung dieses Systems und wie wir psychische Versorgung in Deutschland viele Jahre lang betrachtet haben.


Deutschland bis 1970: psychische Versorgung in großen & zentralen Kliniken: weit weg vom Alltag


Wenn wir heute noch an psychische Versorgung der letzten Jahrhunderte denken, kommen uns Bilder, Romane und viele Hollywoodfilme in den Sinn. In großen "Anstalten" werden Menschen "Elektroschocks" oder Eingriffe am Gehirn "behandelt". Natürlich ist das alles zum Teil völlig übertrieben. Das Horror-Genre dankt.


Die Vorstellung zeigt zugleich einen zentralen Aspekt im Umgang mit psychischen Erkrankungen bis ins 20. Jahrhundert hinein: Betroffene separieren und abseits von Familie und Alltag behandeln.


Genau dieses Prinzip der Behandlung in zentralen Kliniken wird bis in die 1970er Jahre hinein praktiziert, bis es durch eine Enquete Kommission, Gott sei Dank muss man sagen, völlig neu strukturiert wird.


Die Psychiatrie-Enquete der BRD 1975: alltagsnah und leicht erreichbar ist das Ziel


Mit den Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzt ein Paradigmenwechsel in der psychischen Versorgung in der BRD ein. Während zu Beginn des Jahrhunderts noch "behandeln und raus aus dem Alltag"(Achtung ich übertreibe) das zentrale Motiv ist , ändert sich das in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts grundlegend.


Psychische Versorgung wird nun besonders über Erreichbarkeit, Teilhabe und Alltagsnähe verstanden, sodass in der Psychiatrie Enquete von 1975 eine Strukturreform in Kraft tritt, die bis heute das Bild der psychischen Versorgungslandschaft prägt. Die Menschen sollen in der Nähe von Familie und im Alltag Hilfe erhalten.


In den folgenden Jahrzehnten entstehen so:

  • psychiatrische Abteilungen in Krankenhäusern (dann auch psychiatrische Institutsambulanzen, also Notaufnahmen für die Seele),

  • Tageskliniken,

  • ambulante Psychotherapie,

  • Sozialpsychiatrische Dienste sowie

  • vielfältige Beratungs- und Präventionsangebote.


So kennen wir die Landschaft auch heute. Dass sie uns so unübersichtlich vorkommt, liegt oftmals daran, dass Angebote und Anlaufstellen an den Bedarfen der Betroffenen entstehen.

Was meine ich damit?

Ganz einfach: Betroffene benötigen Zugang zum Alltag und der Familie: damit entsteht die gemeindenahe Psychiatrische Versorgung, die es auch heute noch als Anlaufstelle in Großstädten gibt. Hier das Beispiel in Leipzig.


Genauso entstehen im Laufe der Zeit weitere Angebote und Strukturen. Dass das nicht nach "Plan" verläuft im Sinne "wir benötigen eine einheitliche und übersichtliche Struktur" erklärt sich damit gut.



Mit Hilfe von Chat-GPT hab ich euch mal eine Übersichtskarte der Versorgungslandschaft in Deutschland erstellt. Ladet sie euch gern runter! Bitte beachtet aber, dass es keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat und nur einer Veranschaulichung dienen soll.


psychische versorgung in deutschland. eine Übersicht erstellt durch chat GPT. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Wie ihr seht, gibt es Begleitung, Hilfe und Unterstützung. Aber der Zugang ist nicht so einfach, denn dazu müsste ich ja als Betroffene quasi schon wissen, was ich brauche.


Selbst für Menschen im System ist es gar nicht so einfach und nur über viel Erfahrung und Netzwerkarbeit, Kontakte und Austausch möglich, besser zu verstehen.


Was also nun? In der Systemtheorie nach Niklas Luhmann würde man jetzt von Anschlussverlust sprechen.


Das bedeutet, dass es für Betroffene immer schwerer wird, an das richtige Hilfesystem anzudocken. Ich weiß am Anfang nicht, wo ich eine Diagnose bekomme, wo im Notfall Hilfe zu bekommen ist und wie das mit einer Klinik überhaupt funktioniert. Denn das funktioniert nicht für jede Situation oder Problemlage gleich.


Wenn ich eine Suchtproblematik habe, kann eine Beratungsstelle super hilfreich sein, habe ich eine Depression oder leide ich unter Traumafolgen oder anderen spezifischen Störungsbildern wird es herausfordernder.


Und in genau diesen Belastungssituationen ist es schwer, sich selbst darum zu kümmen oder sogar "strategisch" vorzugehen.

Damit entstehen kritische Übergänge IN das Versorgungssystem und NACH der Behandlung und Therapie. Sogenannte Versorgungslücken.

Erschwert wird das Problem des Anschlussverlustes durch die vielfältigen politischen Sparkurse (wie zum Beispiel in der Kinder-& Jugendpsychiatrie) und die strukturelle Überlastung von ambulanten PsychotherapeutInnen. Diejenigen, die helfen könnten, sind überlastet und das verschärft das Problem zusätzlich.



Und jetzt kommt meine Arbeit ins Spiel: Ich als Mental Health Coachin verstehe mich als Brückenbauerin in diesen Versorgungslücken. Ich begleite euch auf dem Weg dorthin, wieder heraus in in den neuen Alltag, Job oder Lebensabschnitt.


Wenn ihr also:


  • stark belastet seid und nicht wisst, wohin ihr euch wenden könnt

  • auf der Suche nach dem passenden Therapieplatz seid

  • nicht wisst, wie sich Tageskliniken, Reha-Maßnahmen oder Krankenhaus unterscheiden

  • nach der Behandlung Begleitung für den neuen Alltag sucht


Ganz wichtig: ich ersetze keinen ÄrztIn, keine PsychotherapeutIn und stelle keine Diagnosen!


Es gibt aber Meta-Studien (also Studien, die viele Studien auswerten), die belegen, dass ein Auffangen in diesen Lücken Rückfälle besser verringern kann und Therapieerfolge langfristig sichert.


Ich möchte diese Lücke ein klein wenig für euch strukturieren und verstehbar machen.


  • Damit ihr Anschluss findet, wenn er gebraucht wird

  • eine sichere Chance habt, wieder gesund im Job anzukommen und zu bleiben.

  • Hilfesysteme entlastet werden und ihr klarer und besser vorbereitet genau dort ankommt.


In den nächsten Beiträgen erkläre ich euch die wichtigsten Bestandteile des Hilfesystems, die ihr auf der Karte findet.


Eure Barbara


verwendete Quellen:



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